Weit mehr als ein Tunier: Sozialarbeiter Andreas Meier über den Homeless World Cup Oslo 2025

Ende Juli hatten wir es angekündigt, jetzt liegt der „Homeless World Cup Oslo“ – die Fußball-Weltmeisterschaft für wohnungslose Menschen - hinter den Teilnehmenden. Mit dabei war auch Deniz aus Völklingen. Er wurde begleitet von Sozialarbeiter Andreas Meier. Hier erzählt Meier von seinem Erlebnis:

Vom 28. bis 30. August 2025 war ich Teil einer ganz besonderen Welt, in der mehr als nur Fußball gespielt wird. Der Homeless World Cup ist weit mehr als ein Turnier – es ist ein Ort der Hoffnung, der Begegnung, der zweiten Chancen. Hier treffen sich Teams aus aller Welt, deren Spielerinnen und Spieler mit schweren Lebensgeschichten anreisen: Menschen, die obdachlos sind, Gewalterfahrungen gemacht haben, mit Suchterkrankungen kämpfen, psychische Herausforderungen meistern oder sich aus dem Einfluss von Drogenkartellen befreien.

Doch sobald man die Spielfläche am Hafen von Oslo betritt, spürt man etwas Magisches. Die Atmosphäre ist elektrisierend – egal ob Regen oder Sonnenschein, die Tribünen sind voll, die Menschen lachen, klatschen, singen. Und nach jedem Spiel feiern beide Mannschaften gemeinsam mit dem Publikum – es gibt keinen Verlierer, nur Verbundenheit und gegenseitigen Respekt. Der sportliche Ehrgeiz und Erfolg spielt eine Rolle, aber eben nicht die Größte. Hier geht es um Gemeinschaft, Würde und einen Moment der Freiheit.

Und so ereignen sich die besonderen Momente Abseits des Spielfeldes: Ein Mittagessen zwischen Schottland und der Schweiz, gemeinsame Kaffeepause mit Litauen und Costa Rica, eine spontane Tanzeinlage der Südafrikaner im Park, Trikottausch zwischen Deutschland und Japan – lauter kleine Szenen voller Wärme und Menschlichkeit. Man sieht es den Spielerinnen und Spielern an: Sie sind dankbar, hier zu sein. Für viele ist es die erste Reise überhaupt. Sie dürfen loslassen, Kraft schöpfen, neue Perspektiven entdecken – und einfach Mensch sein, für eine Woche ohne Vorurteile, ohne Stigmatisierung.

Was für ein unvergessliches Erlebnis! Drei Tage lang durfte ich den Homeless World Cup in Oslo hautnah miterleben – und als Zuschauer mit dabei sein, bei einem sehr bedeutsamen Moment in der Geschichte des Straßenfußballs und für den afrikanischen Kontinent.
Am Finaltag geschieht etwas Außergewöhnliches: Die ägyptischen Männer gewinnen sensationell gegen Portugal, und kurz zuvor holen sich die Frauen aus Uganda den Sieg gegen Mexiko. Zum allerersten Mal in der Geschichte dieses Turniers kommen sowohl der Weltmeister als auch die Weltmeisterinnen aus Afrika.

Auch unsere deutsche Nationalmannschaft war mit dabei – mit Deniz aus Völklingen als Teil der Nationalmannschaft – und belegte einen starken 32. Platz. Und das, obwohl in Deutschland der Straßenfußball noch rein ehrenamtlich organisiert wird, mit lediglich ein bis zwei Trainingslagern zur Vorbereitung. Im Gegensatz dazu hatte beispielsweise das ägyptische Team eine achtmonatige Vorbereitung.

Was hier zählt, ist nicht nur der Sport, sondern das, was er möglich macht: Hoffnung. Zusammenhalt. Neubeginn. Für die Spielerinnen und Spieler ist der Homeless World Cup mehr als ein Turnier – es ist eine lebensverändernde Chance. Und für mich als Sozialarbeiter und Zuschauer war es ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.