Besonders die Unterstützung für Freizeit, Sport und kulturelle Angebote kommt nur bei einem kleinen Teil der Berechtigten an. Im Saarland erhalten lediglich rund 16 Prozent der anspruchsberechtigten 6- bis 15-Jährigen entsprechende Leistungen, das sind nicht einmal zwei von zehn Kindern, bei den 15- bis 18-Jährigen sind es sogar nur rund sieben Prozent. (Quelle: Bertelsmann Stiftung 2026)
„Dahinter stehen Kinder, die nicht im Sportverein mitmachen können, auf Freizeitangebote verzichten müssen oder deren Talente unentdeckt bleiben“, sagt Anne Fennel, sozialwissenschaftliche Geschäftsführerin der Diakonie Saar.
Eigentlich soll das Bildungs- und Teilhabepaket Kindern unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern Bildung, Freizeit und soziale Teilhabe ermöglichen. Die Realität sieht jedoch anders aus. Viele Familien wissen nicht, dass sie Anspruch auf die Leistungen haben, andere scheitern an komplizierten Anträgen und unterschiedlichen Zuständigkeiten.
„Wenn Eltern mehrere Formulare ausfüllen, unterschiedliche Behörden kontaktieren und Fristen im Blick behalten müssen, ist es nicht überraschend, dass viele Leistungen nicht beantragt werden“, so Fennel. „Kinder dürfen nicht die Leidtragenden bürokratischer Hürden sein.“
Nach Ansicht der Diakonie Saar ist vielen Menschen zudem nicht bekannt, dass die Leistungen nicht nur Familien im Bürgergeld- oder Sozialhilfebezug zustehen. Auch Familien mit niedrigem oder mittlerem Einkommen können Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket haben – etwa dann, wenn sie Wohngeld oder Kinderzuschlag erhalten.
„Viele Eltern verzichten ungewollt auf Unterstützung, weil sie gar nicht wissen, dass ihre Kinder anspruchsberechtigt sind“, erklärt Fennel. „Deshalb brauchen wir mehr Information und vor allem einfachere Zugänge.“
Die Diakonie Saar fordert, kindbezogene Leistungen stärker zu bündeln und möglichst automatisch auszuzahlen. Wer Anspruch hat, sollte die Unterstützung erhalten, ohne sich durch ein Dickicht von Zuständigkeiten und Anträgen kämpfen zu müssen.
„Die Leistungen sind für Kinder gedacht. Deshalb müssen sie auch bei den Kindern ankommen“, betont Fennel. „Kein Kind sollte auf Bildung, Sport, Musik oder Gemeinschaft verzichten müssen, nur weil die Eltern nicht wissen, dass und wo sie einen Antrag stellen könnten.“
