Tafeln betonen ihre karitative Ausrichtung

Bei der Frühjahrs- Mitgliederversammlung des Landesverbandes Tafel Rheinland-Pfalz/Saarland in Völklingen nahmen die Teilnehmenden Entwicklungen und Trends in der Lebensmittelrettung in den Blick und betonten die karitative Ausrichtung der Tafeln durch die Abgabe der Lebensmittel an Menschen in Not:

Im ersten Schritt retten die Tafeln noch genießbare Lebensmittel. Im zweiten Schritt werden diese an Menschen in schwierigen Lebenslagen abgegeben.

Staatssekretärin Bettina Altesleben, die für ein Grußwort nach Völklingen gekommen war, lobte dieses Engagement: „Die Arbeit der Tafeln zeigt eindrucksvoll, wie wichtig praktisches und unmittelbares Engagement für Menschen in schwierigen Lebenslagen ist. Sie leisten tagtäglich unverzichtbare Hilfe. Sie geben Menschen Unterstützung, Wärme und Begegnung – nicht immer unter einfachen Bedingungen.“

Wichtig dabei: Tafeln sind für die Betroffenen immer nur eine ergänzende Hilfe, bieten kein Grundversorgung. Und sie stehen mehr und mehr in Konkurrenz mit anderen Lebensmittelrettern, die keinen karitativen Ansatz haben.

„Supermärkte kalkulieren bereits seit vielen Jahren immer besser und geben daher weniger Lebensmittel an die Tafeln ab“, berichtete die Vorsitzende Sabine Altmeyer-Baumann. Das sei grundsätzlich eine gute Entwicklung, habe aber zur Folge, dass weniger Lebensmittel zur Abgabe an Bedürftige zur Verfügung stehen.  Lebensmittelunternehmen wie Globus, Wasgau und Edeka Südwest praktizieren das „Tafel first Prinzip“. Sie setzen bewusst auf die Zusammenarbeit mit den Tafeln als Ausdruck sozialer Unternehmensverantwortung.  

Eine weitere Lösung, mehr Lebensmittel, die noch genießbar sind, zu retten, bietet die Abgabe von Lebensmitteln nach Mindesthaltbarkeitsdatum. „Wir verzeichnen einen enormen Zuwachs an Menschen, die bei den Tafeln um Hilfe nachsuchen. Gleichzeitig müssen wir täglich erleben, dass dringend benötigte Lebensmittel nach Ablauf des MHD aus Haftungsgründen nicht an die Tafeln abgegeben werden können. Umso erfreulicher ist es, dass es gemeinsam mit der EDEKA Südwest und dem Klimaschutzministerium Rheinland-Pfalz gelungen ist, eine haftungs- und lebensmittelsichere Abgabe an die rheinland-pfälzischen Tafeln zu finden“, berichtete Altmeyer-Baumann. Seit Mitte April wird dies in Rheinland-Pfalz umgesetzt und es ist geplant, dieses Modell auch dem saarländischen Umweltministerium und saarländische Lebensmittelunternehmen vorzustellen.“

Ein weiterer Trend ist, dass Lebensmittelrettung von immer mehr privaten Initiativen betrieben wird. Diese unterliegen bisher keinen rechtlichen Vorgaben wie beispielsweise das Einhalten von Kühlketten und werden auch nicht von der Lebensmittelüberwachung kontrolliert. Sich zu diesen Entwicklungen strategisch auszutauschen, war ein zweiter Themenschwerpunkt der Versammlung.   

Tafel geben mehr als Lebensmittel. So betonte Stefan Gebhardt, Abteilungsleiter Offene Soziale Arbeit bei der Diakonie Saar, in seinem Grußwort die Förderung von Solidarität und Nachhaltigkeit durch die Ehrenamtlichen: „Nicht nur Lebensmittelausgabe, Verarbeitung und Verteilung von Lebensmitteln, sondern gerade die Unterstützung bei Fragen und Problemen, beim Zuhören während der Lebensmittelausgabe machen den enormen Wert und die gesellschaftliche Bedeutung unserer Tafeln sichtbar.“

Der Landesverband Tafel Rheinland-Pfalz/Saarland umfasst 66 Tafeln. In der Vorbereitung und Organisation der Mitgliederversammlung in Völklingen wurde der Landesverband durch die Diakonie Saar organisatorisch und personell unterstützt. Sie ist Trägerin der Tafel Völklingen und der Tafeldependance Illingen.