Pflege-Adoptiv-Familien-Stiftung sichert Careleaver-Beratung der Diakonie Saar für weitere eineinhalb Jahre

Die erste eigene Wohnung, Rechnungen, Versicherungen, Behördengänge, Ausbildung oder Arbeit und plötzlich die Verantwortung für das gesamte eigene Leben: Für viele junge Erwachsene gibt es in dieser Zeit ein Sicherheitsnetz.

Eltern, Familie oder ein Zuhause, in das man im Zweifel zurückkehren kann. Jemanden, den man anruft, wenn das Geld nicht reicht oder die erste eigene Wohnung plötzlich mehr Probleme als Freiheit mit sich bringt.

Für junge Menschen, die lange in einer Wohngruppe, Jugendwohngemeinschaft oder Pflegefamilie gelebt haben, ist dieses Sicherheitsnetz nicht selbstverständlich. Mit dem Ende der Jugendhilfe endet häufig auch eine über Jahre gewachsene Begleitung, obwohl die Herausforderungen des Erwachsenenlebens gerade erst beginnen.

Für diese sogenannten „Careleaver“ hat die Diakonie Saar vor fünf Jahren ein eigenes Beratungsangebot ins Leben gerufen. Junge Menschen können sich auch nach dem Ende ihrer Jugendhilfemaßnahme wieder an vertraute Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner wenden, wenn sie Unterstützung benötigen. Manchmal geht es um eine kurze Frage, manchmal um eine schwierige Lebenssituation und manchmal schlicht darum, nicht allein vor einem Problem zu stehen.

Das Angebot wird ausschließlich aus Eigenmitteln und Spenden finanziert. Eine dauerhafte Regelfinanzierung gibt es nicht. Umso wichtiger ist die Unterstützung der Pflege-Adoptiv-Familien-Stiftung (PAFS). Mit ihrer Zuwendung sichert sie die Fortführung der Careleaver-Beratung für weitere eineinhalb Jahre.

Alexander Skarba, stellvertretender Abteilungsleiter Kinder-Jugend-Familie bei der Diakonie Saar, ist dankbar: „Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass unser Projekt eine ganz wichtige Lücke im Hilfesystem schließt. Dass wir die jungen Menschen noch eine Weile an die Hand nehmen, praktische Hilfen im neuen Lebensalltag geben und unterstützend zur Seite stehen, trägt viel dazu bei, dass der Übergang gut gelingt.“

Anne Woll von der PAFS ist überzeugt: „Als gemeinnützige Stiftung unterstützen wir dieses Projekt, weil wir sicher sind, dass eine bedarfsorientierte Übergangsberatung, und -unterstützung für Careleaver dringend notwendig ist, um bereits erreichte Erfolge bei den jungen Menschen nicht zu gefährden. Unserer Erfahrung nach ist dies eine kritische Phase, die gut begleitet werden muss.“

Aktuell nehmen Careleaver aus dem Landkreis Neunkirchen und dem Regionalverband Saarbrücken die Beratung und Begleitung durch Mitarbeitende der Jugendhilfe in Anspruch. Die Unterstützung orientiert sich dabei unmittelbar am Leben der jungen Menschen. Von Fragen rund um die erste eigene Wohnung und Haushaltsführung über finanzielle Angelegenheiten und Behördengänge bis hin zu Konflikten in Ausbildung und Beruf.

„Dabei geht es nicht darum, den jungen Erwachsenen ihre Selbstständigkeit abzunehmen. Es geht darum, da zu sein, wenn Selbstständigkeit plötzlich bedeutet, mit einer schwierigen Situation ganz allein umgehen zu müssen“, betont Skarba.