20 Jahre Anlaufstelle Schulabwesenheit Saarlouis

Hinter Schulabwesenheit von Kindern und Jugendlichen stecken die vielfältigsten Problemlagen, aber es ist nie ein pures „Schule schwänzen“. Angst, Überforderung, Krankheit oder Probleme zu Hause - es geht oft um Kinder, die Unterstützung brauchen.

Seit 20 Jahren ist im Rahmen des Aktionsprogramms „Jugendhilfe – Schule – Beruf“ im Landkreis Saarlouis die „Anlaufstelle Schulabwesenheit“ in Trägerschaft der Diakonie Saar tätig. Seitdem wurden mehr als 3.300 Schülerinnen und Schüler betreut; mittels Beratungen von Eltern, Kindern und Lehrkräften, meistens in Kombination mit Hausbesuchen. Allein im Schuljahr 2024/25 waren es 281 junge Menschen, für die der Schulbesuch zu einer unüberwindbaren Hürde wurde. Gegenüber 2015 ist das eine Verdopplung der Fallzahlen.

„Damals wie heute ist klar: Hinter jedem Fehlen steckt eine Geschichte. Viele Kinder kommen aus belasteten Familien, leben in Armut, sind von der Trennung ihrer Eltern beeinträchtigt oder erlebten Krankheit oder Flucht“, erläutert Tobias Surburg, Mitarbeiter der Diakonie in der Anlaufstelle. „Unser Ansatz ist dabei, egal ob Grundschule oder weiterführende Schule: Wir warten nicht, bis jemand zur Beratung kommt – wir gehen hin. Wir suchen Familien zu Hause auf, bauen Vertrauen auf und machen Schule wieder erreichbar.“


Den Ansatz unterstützt auch Prof. Dr. Heinrich Ricking von der Universität Leipzig, der zum Jubiläum für einen fachlichen Impuls nach Saarlouis kam. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Phänomen und macht deutlich: Abwesenheit sollte nicht einfach ins Klassenbuch eingetragen, sondern aktiv angegangen werden. Wichtig sei schnelles Handeln, damit sich Schulabwesenheit nicht chronifiziert. Dabei kommt es auf eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligter an: von Lehrern, Eltern, Sozialarbeitern und dem Kind selbst.
Darüber hinaus plädiert der Absentismus-Forscher für Prävention und den Aufbau einer Schulkultur, in der sich Kinder und Jugendliche sicher und wertgeschätzt fühlen. Damit meint er auch pädagogische Angebote wie individuelle Unterstützung und soziale Einbindung beispielsweise durch Workshops, die immer vor Sanktionen greifen sollten.


Der Landkreis Saarlouis hat sich vor 20 Jahren auf den Weg gemacht, benachteiligte junge Menschen auf ihrem schulischen und persönlichen Weg effektiv zu unterstützen. Im Aktionsprogramm, in dessen Verbund auch die Anlaufstelle Schulabwesenheit eingebunden ist, arbeiten u.a. Schulsozialarbeit, Schulpsychologischer Dienst, Streetwork, Suchtbeauftragte und viele weitere Jugendhilfeeinrichtungen zusammen.