Unterstützung fand sie bei der Diakonie Saar, genauer bei der Aufsuchenden Sozialen Arbeit in Völklingen, und macht nun selbst auf die Schwierigkeiten betroffener Frauen aufmerksam.
Angebote für wohnungslose Menschen gibt es im Saarland einige, von offenen Sprechstunden bis hin zu Notunterkünften. Aber: Die überwiegende Anzahl ist vorrangig auf männliche Klienten ausgelegt. Laut dem offiziellen Wohnungslosenbericht für das Saarland 2024 wurden im Regionalverband Saarbrücken sechszehn stationäre Plätze explizit für Frauen und neunzig Plätze für Männer vorgehalten, zehn waren geschlechtergemischt. Dabei ist nach dem Bericht mindestens ein Viertel der Betroffenen weiblich. Und diese haben eigene Themen und Herausforderungen, die Beachtung finden müssen. Gewalterfahrungen und Traumata spielen etwa eine große Rolle. Hierbei kann es helfen, wenn weibliche Sozialarbeiterinnen als Ansprechpersonen zur Verfügung stehen. Die Wohnungsnotfallhilfe ist bisher aber auch in den Reihen des Personals ein eher männlich geprägtes Feld, berichten die Teilnehmenden eines Fachtags der Diakonie Saar zu „Frauen im Fokus der Wohnungsnotfallhilfe“ Anfang Februar in Saarbrücken.
Ein weiteres Thema: sichere Orte. Mehr Unterkünfte nur für Frauen, Beratungs- und Freizeitangebote in einem geschützten Rahmen unter sich stehen dabei ganz oben. „Frauen in Wohnungslosigkeit brauchen vor allem eins: Sicherheit“, so Lena Benz, Sozialarbeiterin bei der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Saar in Saarbrücken. „Angebote nur für Frauen bieten einen Raum, der als Anker und zentraler Punkt in der Tagesstruktur fungieren kann“.
Wenn Kinder im Spiel sind, erfordert die Situation der Mütter ebenfalls besondere Aufmerksamkeit. Schule und Kindergarten können eingebunden werden, um Verständnis zu schaffen und Druck in der ohnehin angespannten Lage zu reduzieren.
„Oft ist es mit Schamgefühlen besetzt, zuzugeben, dass man wohnungslos ist. Dabei steigt die Zahl von Frauen, die betroffen sind, meiner Erfahrung nach sogar an“, so Nadia. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass Frauen im Gegensatz zu Männern eher verdeckt wohnungslos leben, also eine Unterkunft bei Freunden oder Bekannten finden. Gewalt und Übergriffe sind häufig die Folge solcher Abhängigkeitsverhältnisse, ebenso dass Frauen sich genötigt sehen oder bedrängt werden, (sexuelle) Gefälligkeiten zu erweisen, um nicht den Schlafplatz zu verlieren.
Um den betroffenen Frauen eine Stimme zu geben, wird die Gründung eines saarlandweiten Netzwerks angestrebt, erzählt Sabrina Sofka-Hell von der Aufsuchenden Sozialen Arbeit in Völklingen. „Selbstvertretung macht einen Unterschied: Sie erleichtert es Betroffenen, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu treten. Außerdem finden die Frauen so Halt und Unterstützung durch andere, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.“
Die Diakonie Saar bietet Anlaufstellen für Menschen, die von Wohnungsverlust bedroht oder betroffen sind. Diese können sich an die Häuser der Diakonie in Saarbrücken, Neunkirchen und Völklingen wenden.
Fotos: PURA/huwig.photography
